Ganz unzeremoniös ist die erste Woche in der Bretagne vergangen. Ging wie immer zu schnell, aber – spoiler alert – die Südbretagne hat es bei uns schwer, den Norden einzuholen oder gar zu überholen.
Womit anfangen… vielleicht das Wichtigste: Austern! Das war die erste große Schwierigkeit. Irgendwie waren die im Norden einfacher zu finden, und auch in größerer Zahl. Ich bilde mir zwar ein, dass sie dort kleiner waren, aber das ist egal, wenn man keine findet. In chronologischer Abfolge hatten wir:
Huîtres Leneveu: auf dem Weg von Asterix nach Rédené war das der erste Umweg. Wie so oft geht es eine Stichstraße ins Nirgendwo, um dann vor einem Tor zu stehen. Es war verdächtig leer, aber das lag auf Nachfrage an der Tageszeit. Die Muschelartigen waren gut. Die Aussicht okay, leider Ebbe. Am Schlimmsten aber, und das begleitet uns hier, gab es keine Dinge, die nicht aus dem Meer kommen. Und noch viel schlimmer als der Superlativ eben war, dass es statt der erwarteten Breizh Cola nur schnöde Coca Cola gab. 7 von 10 Schlonzen.
Aux Viviers de Penfoulic: oh, da macht bitte einen großen Bogen drum. Die sahen auf dem Papier sehr gut aus und auch die Bewertungen waren typisch überschwänglich, aber ne ne ne. Seltsam unorganisiert, den Muscadet gibt es nur in Flaschen („aber ich kann mal schauen, ob vielleicht jemand anderes ein Glas abgeben würde“ bitte was?). Auf die Frage, ob es für Nora neben mir vielleicht etwas anderes als Austern gäbe war der erste Vorschlag Lachs, der zweite dann Fischrilette. Ähm, okay, Brot ist auch gut. Die Austern waren ziemlich mittelmäßig, weil laichend. Am schönsten aber waren die zwei Männer hinter uns, die drei Meeresfrüchteplatten verdrückt haben und ein Schlachtfeld vorm Herrn hinterlassen haben. Seltsames Publikum, seltsamer Laden. 1 von 10 Austernmessern, aber auch nur, weil hier angeblich eine Szene eines Kommissar Dupin-Krimis gedreht wurde.
Huîtres Morvan: nachdem wir tags zuvor von den online veröffentlichten Öffnungszeiten betrogen wurden (keine stimmte, und jede Plattform hatte andere), sind wir hier am Dienstag mittag hin. Und die lohnen sich. Die beiden Austernesser wurden mit Blick auf die Häuserwand platziert, während der Rest zum Ausgleich den Blick in die Bucht genießen durfte. Tit for tat und so. Sehr leckere Austern, wir sind ein wenig eskaliert, was das Nachbestellen anging, aber warum auch nicht. Bekommt 8 von 10 Zitronenscheiben.
La Cabane de Cadoudal: auf dem Weg nach Quiberon haben wir die hier eingeschoben, wieder zur Mittagszeit. Auf dem Weg kamen Erinnerungen an den Norden auf, denn endlich standen hier am Wegesrand auch diese kleinen Hinweisschilder, die Passanten zum nächsten Austernfischer locken sollten. Am Ende der Stichstraße (ein Muster tut sich auf) lag dann die cabane, und was für eine cabane das ist. Terrasse am Ufer, im Schatten, Ruhe, Blick aufs Wasser und das Beste neben den Austern: Breizh Cola und Far Breton für die, deren Gaumen nicht an Schlonz gewöhnt sind. Die Cabane haben wir übrigens auch noch auf der Fahrt zur Loire eingeschoben, quasi als Wegzehrung. Und noch 12 Austern mitgenommen. 10 von 10 Degustationstellern.













Rédené
Unser Zuhause für eine Woche ist das Zuhause für eine Woche anderer Menschen. Lage irgendwie irgendwo im Nirgendwo, drei Reihen von der Straße abgesetzt. Der Pool ist groß und tief, dafür eher kalt. Stört aber nicht. Der Bonus am Haus sind 4 Hühner. Das klingt übrigens romantischer, als es ist:
Die Vorstellung: jeden Tag frische Eier, jeden Tag Omelette für alle. Freudiges Gackern im Hintergrund, die Kinder spielen mit dem Federvieh.
Die Realität: jeden Tag mit Glück ein Ei, das dann erstmal noch rumliegen muss, ein Omelette alle 3 bis 4 Tage. Ständig wird man belagert, weil sie Futter wollen. Futter. FUTTER! Das forscheste der Viecher pickt einem dann auch gern in den Zeh. Und die Kacke. Überall Kacke. Und wenn man die falsch füttert, dann kriegen die Dünnpfiff.
Aber letztendlich arrangiert man sich.
Rédené bzw. der Teil, in dem wir waren, hat übrigens nichts von Interesse. Eine Apotheke, ein 24/7 Pizzaautomat, Mülltonnen. Der Bäcker im eigentlichen Ort ist auch nur so meh.





Activitées und deren Beurteilung
Tag 1: Markt. Grundstock für die Woche schaffen, außerdem sind französische Märkte schön. Gibt nichts Schlechtes darüber zu sagen.
Tag 2: Kerbriant, Douarnanez, Île de Tristan. Ersteres war ein Konservenverkauf, der (oder einer der) letzte handwerklich produzierende Sardinenmacher. Gab direkt eine Verkostung (schwankend) und anschließend volle Einkaufstaschen. Weil die Fabrik eher nördlich lag, haben wir uns von den Websites der lokalen Tourismusbehörden leiten lassen und dann eben noch Douarnanez rangehangen, Hafenstädte gehen ja bekanntlich immer. Immer? Leider nein. Finger weg von dieser Stadt, lohnt sich nicht. Hier gibt es auch eine Insel, die nur bei Ebbe fußläufig zu erreichen ist. Das klingt nach Spannung, Wattwanderung, Mont St Michel. In der Realität warten sehr viele Menschen darauf, dass ein vielleicht 50 Meter langer Steg aus Stahlgittern freigegeben wird, um dann im Gänsemarsch auf die Insel zu tippeln. Die Insel selbst? Zum Vergessen.
Tag 3: Doëlan. Lag am Weg, nettes Örtchen am Wasser. Hübsch, ein bißchen leer, was Geschäfte angeht.
Tag 4: Île de Groix. Eine Insel vor der Küste, warum nicht. Die Anfahrt gestaltete sich nervenaufreibend, weil in Lorient das Féstival Interceltique de Lorient stattfindet, ein großes Fest für Freunde lustiger Verkleidungen und schlechter Musik. Leider war dieses Festival deutlich größer, als angenommen, und quasi die ganze Stadt war gesperrt. Wir sind dann mit quietschenden Reifen am Parkplatz vor der Fähre angekommen und mit als letzte an Bord gegangen. Auf der Insel war es dann okay. Fraglich ist, warum der Küstenweg links und rechts von mannshohen Brombeeren gesäumt sein muss, dann sieht man nämlich absolut nichts (außer natürlich Brombeeren). Wir haben dann auch unser nicht mal soooo ambitioniertes Ziel des „einzigen konvexen Strandes Europas“ kurzerhand in „die Bucht hier unten“ geändert, was sich aber als Glücksgriff herausgestellt hat. Baden konnte man gut, aber kalt. Der Rückweg war dann wieder einschläfernd lang, in Lorient sind wir noch einmal über das Festival gelaufen. Ist aber eher etwas für Fans. Tobis Belohnung war ein wahrscheinlicher Sonnenstich.
Tag 5: Guidel und einer seiner Strände (Plage du Loc’h). Das war sehr windig, aber sehr schön. Es ist durchaus erstaunlich, wie viel Zeit man in Wellen verbringen kann.
Tag 6: Quiberon. Austern auf dem Weg, dann die Straße heruntergequält bis ans Ende der Fast-Insel. Zwischenhalt bei den Hinkelsteinen von Carnac. Die übrigens eingezäunt sind. Man kann es auslassen, außer, man ist steinlich interessiert. Wäre vielleicht besser, wenn man durchwandern könnte. Quiberon ist dann nüchtern betrachtet einer dieser Strandorte. Mäßig attraktiv in der ersten Reihe, bißchen netter in der zweiten und dritten, aber auch nichts, was man gesehen haben muss. Voll. Auf dem Rückweg leider vergessen, dass wir die Scenic Route entlang der Küste nehmen wollten, die wäre vielleicht noch was geworden. Am Strand leider kein Wind und entsprechend keine Wellen, außerdem steinig und glitschig. Waren trotzdem im Wasser, aber mit weniger Begeisterung als tags zuvor.







































































Essen
In chronologischer Abfolge.
Ty Guidou, la crêpe rit. Am Ankunftstag, eine Crêperie. Lecker, käsig, gelernt, wie die Eierzubereitungen auf französisch heißen.
La Châtaigneraie. In Port Manech. Fancy, mit wunderschönem Blick auf die Bucht. Oktopus, Tartar, Weißwein, Sonnenuntergang im Meer.
Le Trois-Mâts. Doëlan bzw. Clohars-Carnoët. Moules frites, dekonstruierte Zitronentarte.
Chez ChouChou, Qimperlé. Bar in den Gassen, man sitzt leicht schräg. Das Cordon Bleu war zu Noras Leidwesen aus. Erneut Moules Frîtes und – wenn man schonmal hier ist – bretonischer Hummer.

















Abschließend
Die Südbretagne wirkt wesentlich touristischer als der Norden. Die Austernsituation ist schwieriger, wobei wir am Ende die beste Gegend gefunden haben. Essen ist wie erwartet ausgezeichnet, ohne Reservierung meist schwierig. Der Atlantik als Badewanne ist erstaunlich ausgezeichnet. Es ist schön, wenn man die richtigen Ecken findet, wir würden aber lieber wieder in die Nordbretagne.
Zusammengefasst: Schwimmen im Atlantik, köstliches Essen, viel guter Wein, Abende am Pool, Bäcker, so viele hervorragende Bäcker.
