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2025

Von unten nach oben mit Halt in der Mitte

Es wird heiß in der Gironde, also machen wir uns aus dem Staub. Wobei, nein, da ist kein ursächlicher Zusammenhang, sondern lediglich ein schnöder Zufall aus Urlaubsplanung und Wetterlage.

Donnerstag war nix los. Wir hatten schon anfangs abgemacht, zumindest einen kompletten Tag am Pool zu verbringen, und das haben wir auch gemacht. Es war eh heiß, da bot sich das auch an. Der Tag war also eine Mischung aus verlaufener Sonnencreme, platschendem Salzwasser und dösigem Rumliegen. Einzige Unterbrechung waren das Abendessen im La Chapelle (übrigens sehr gut) und die Châteauführung durch unseren Gastgeber. Der hat das Château 2017 von einer Einheimischen gekauft, die wohl „mehrere Châteaus geerbt“ hat und dann alles vorhandene versilbert hat, um die Erbschaftssteuer zu zahlen (und vielleicht selbst ein Châteuchen zu behalten, das weiß man nicht). Auf jeden Fall war das Anwesen komplett leer und seitdem schlägt man sich mit der französischen Bürokratie herum – es ist wohl nicht leicht. Dafür schmeißt die überalternde Landbevölkerung ihr Mobiliar raus und man kann – das passende Schloß vorausgesetzt – seine Immobilie sehr günstig sehr stilecht einrichten.

Die Abfahrt am Freitag konnten wir nach hinten schieben, unser Schlossherr hatte keine Eile, uns loszuwerden. Was dann noch für einen Marktbesuch im Nebenort (Konserven, Gebäck und Wein) und eine Runde im Wasser (Salz) gereicht hat.

Clisson

Das Zwischenziel bei Nantes hieß Clisson, was sich bei Ankunft als erstaunlich schnuckeliges Städtchen herausgestellt hat. Abendessen am Fluss war wieder gut, Nacht im zu schmalen wie auch zu kurzen(?!) Bett war weniger gut. Frühstück französisch übersichtlich. Kurzer Nervmoment am Schnelllader vor Clisson, der nicht mit dem Auto kommunizieren wollte. Wobei es eher das Auto war, das nicht mit dem Lader kommunizieren wollte (kommt am Ende aufs gleiche heraus, aber letzteres ist potenziell problematischer). Haben das Auto dann über Nacht an einen Schnarchlader im Ort gehangen, die müssen ja nicht kommunizieren, die spucken die Kilowatt einfach so aus.

Kergruyant

Der Elektronenschluckauf von gestern war vergessen, die Testladung am nächsten Schnelllader erfolgreich, konnte weitergehen. Die Fahrt wieder langweilig, aber schön zu sehen, wie sich die Gegenden ändern. Wir waren auf jeden Fall zu früh im Zielbereich und sind dann zum Zeittotschlagen in einer der nächstgelegenen Austernfarmen zum Meeresgetierschlürfen eingekehrt. Schlürfig lecker, schmeckt nach Schlonz mit Meer, ist sogar noch einen Tick günstiger als in Holland 2023.

Wir hatten ja vor der Ankunft ein wenig Sorge, was genau uns hier erwartet. Denn von der Unterkunft gibt es keine richtige Adresse, nur Koordinaten, und die Anfahrtsbeschreibung bestand aus dem Satzteil „in die kleine Straße zwischen dem Möbelhaus und dem Reifenhandel einbiegen“. In Gedanken ging es in Richtung Obi Goerzallee… Will jetzt den Tag nicht vor dem Werktag loben, aber: Sorge unbegründet und Erwartung augenscheinlich übererfüllt. I.e. ist sehr sehr schön hier.

P.S.: die Namen der Orte hier werden komplexer in der Aussprache.