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2026 Urlaub

Un demi d’un demi de la pélanque

S’il vous plaît. Naja. Wenn einem das Wort für das Viertel nicht einfällt, benutzt man halt Mathe. Und wenn einem das Wort für die Wassermelone entfallen ist, dann… verwirrt man den Verkäufer endgültig mit einem ausgedachten Wort.

Die Honigmelone heißt mélon. Die Wassermelone heißt leider nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, mélon d’eau, sondern pastéque. Nur war dieses Wort wohl nie Teil der Lehrbücher in der Schule. Und das Kurzzeitgedächtnis war überfordert davon, noch Pfirsiche, das Viertel und anderes unterzubringen. Dann wird die pastéque zur pélanque und die Augen des Verkäufers ratlos. Witzige Geschichten vom Markt.

Wir sind jedenfalls gut an der Loire angekommen, im schönen Madon, in einem noch wunderschönerem Ferienhaus. Alte umgebaute Scheune, hohe Decken, Klimaanlagen überall, Parkplatz vor der Terrasse und ein seeeeeeeehr großer Pool. Und glücklicherweise sind die Besitzer nicht da, denn sonst hätten wir den Pool mit denen teilen müssen (und wären vielleicht auch sonst eher gehemmt gewesen).

Ein Markt und ein glücklicher Zufallsfund

Das Wichtigste auch gleich am ersten Tag: auf zum Markt. Erstens, weil Märkte schön sind. Zweitens, weil es dort köstliche Dinge gibt. Leider war es ein Markt an einem Sonntag in einer eher bekannteren Stadt: Amboise. Und leider ist Amboise nicht mit Parkplätzen gesegnet, besonders nicht am Markttag. 57 % der Reisegruppe sind deshalb leider frustriert umgedreht, die restlichen 43 % haben einen weiteren Fußweg durch die Sonne auf sich genommen. Und – weiteres leider – war es auch schon später am Vormittag und deshalb entsprechend voll (Urlaub macht das mit einem, spät aufstehen und so). Wir haben dennoch erfolgreich schöne und köstliche Dinge kaufen können, unter anderem die eingangs erwähnte pélanque pastéque.

Der Rest des Tages war erstmal Pool angesagt, bevor wir dann spontan spätabends nach Blois sind. Das dort ansässige Château macht nämlich son et lumière, bei dem mittels Projektionsmapping (ja, das ist ein Ding) seine berühmt-berüchtigte Geschichte auf die vier Innenwände projeziert wird. Das ist… unerwartet sehr beeindruckend, denn dieses Projektionsmapping ist nicht vergleichbar mit ein paar Videos, die gelangweilt an die Wand gestrahlt werden (ich kling wie so ein Nerd, der immer zu viel über die zugrunde liegende Technik erzählt, und alle anderen nur noch nicken). Gibt spontan 10 von 10 gemeuchelten Ducs de Guise.

Schlösser

Alex‘ Steckenpferd, mitreißend präsentiert. Die Loire ist ja voll davon, egal wo man hinschaut: Schloß, Schloß, Schloß.

Nummer 1: Blois. Siehe oben.

Nummer 2: Amboise. Hübsch, aber heiß. Ruhestätte von Leonardo da Vinci (oder zumindest von Gebeinen, die man für ihn hielt). Königsresidenz. Irgendwas mit gemeuchelten Menschen. Jemand hat sich hier glaub ich den Kopf gestoßen?

Nummer 3: Chenonceau. Ungleich größer, ungleich voller, ungleich heißer. Es war wirklich nicht schön, denn es waren 37 Grad. Und Chenonceau lässt sich vom Touristenanlockfaktor wohl mit Neuschwanstein vergleichen. Schön ist es definitiv, aber leider sooo voll, und dann schiebt man sich in seinem gebuchten Zeitfenster nur im Gänsemarsch durch die Gemächer der Royalität. Und um ehrlich zu sein, das interessante an Schlössern und Burgen spielt sich eigentlich ausschließlich im Außenbereich ab: Gärten, lustige Erker, Fassaden, Wasserspeier. Drinnen bleibt es beim hier schon oft beschriebenen: kennst du eins, kennst du alle. Hier die Küche (oh, Kupfertöpfe), da ein Bett (98 % Himmelbetten), dort ein Sekretär (hmmm), und dann noch ein paar Schwerter (nicht anfassen).

Klingt jetzt auch negativer, als es war. Nach dem landgestützten Besuch haben wir noch eine Runde Chenonceaux en bateau eingeschoben. Ein paar Meter abseits des Schlosses haben wir ein Elektroboot gechartert und sind dann ein Stunde lang den Cher auf und ab gefahren, mit dem Höhepunkt, dass wir zwei Mal unter der Galerie des Schlosses durchgefahren sind. Jeder durfte mal fahren, auch die noch nicht fahrtüchtigen Teilnehmer des Urlaubs. War wunderschön.

Schön war auch, von der Galerie des Schlosses aus die Familien zu beobachten, die sich Ruderboote geliehen hatten. Denn eigentlich denkt man ja, dass sich die Ausrichtung des Bootes und auch die Richtung der Ruderbewegungen von selbst ergeben, dass es nur genau eine logische Zusammensetzung gibt. Dem ist nicht so. Man kann zum Beispiel als Ruderer in Fahrtichtung sitzen und das Boot quasi schieben. Oder zwar korrekt sitzen, aber das Heck zum Bug machen. Oder beides.

Die Schlösser bekommen jedenfalls für die Außenansichten 8 von 10 Wassergräben, für die Inneneinrichtung ein „laaaangweilig“ und für den Spaß, den man unerwartet haben kann, 10 von 10 Vestibüle.

Weine, Keller, Weinkeller

Loire ohne Wein ist wie Flasche ohne Korken, und glücklicherweise befindet sich 400 Meter von unserer Unterkunft enfernt ein Weingut namens Vignoble Tévenot, dass uns auch zur Führung empfängt. Super nett, super persönlich, super super. Alle können alles probieren, wir kaufen Wein, Cremant und Traubensaft. Sehr sympathisch.

Das Thermometer steigt dann weiterhin gnadenlos. Eine Möglichkeit, der Hitze zu entgehen, ist entsprechend eine Besichtigung der ansässigen Schaumweinhöhlen. Die haben nämlich jahrein jahraus gemütliche 12 Grad. Also nix wie auf nach Monmousseau. Noch nie von gehört, sie stellen eben unter anderem Cremant in ihren wunderbar kühlen Höhlen her, so wunderbar kühl. Und sie sind neben Berliner Schulen wohl die wahrscheinlich einzigen verbliebenen Nutzer von Overheadprojektoren, mit denen werfen sie nämlich Kunst an die Wände der Höhlen. Neben der Temperatur macht es aber auch einfach Spaß, durch Höhlen zu spazieren.

Optimal ist es übrigens auch, bei 39 Grad Schaumweine zu verkosten. Glücklicherweise war am Tresen eine laminierte Karte, auf der stand, wer wie viel trinken und dann noch Autofahren kann. Halten wir uns gerne dran.

Sonnenfinsternis

Haben wir gesehen. Brillen beim großen Fluß zur Abholstation bestellt, denn die waren erwartungsgemäß überall ausverkauft. Kombiniert mit einem Picknick an der Loire im schönen Chaumont-sur-Loire, war das schon gutes Timing. Danke, Erdrotation. Am Ende war Nora enttäuscht, denn es wurde nicht dunkel genug. Clara hatte große Angst um ihre Augen und guckte lieber nicht hin. Der Rest schaute in die Sonne, mit Brille.

Als Bonus waren übrigens auch noch die Perseiden, und zum ersten Mal standen die Zeichen dafür gut: weitab der Zivilisation, bei warmen Temperaturen, ohne Wolken am Himmel, zum Neumond. Wir lagen auf jeden Fall im Gras und guckten in den Himmel. Hat sich gelohnt, und zwar so richtig.

Essen

Erneut in chronologischer Reihenfolge.

Bistro Régent Blois. Das klingt hochherrschaftlicher, als es ist. Es lag irgendwie zwischen dem Burger King, einem Kino und anderem Fast Food, an einem großen Parkplatz, deutlich außerhalb von Blois. Sie haben irgendeine superduper Sauce laut eigener Darstellung. Es war eine interessante Erfahrung, Nora fand es super.

La Guinguette du Cosson. Außengastronomie an langen Tischen. Ein knapper Hektar Boule-Spielfläche. Croque Monsieur, unfassbar große und sehr leckere Platte mit Wurst und Käse.

Au P’tit Troglo. Kleine Troglodytenhöhle mit Galettes und Crepes. Ganz vorn dabei, was das schönste Restaurant des Urlaubs angeht. Gemütlich, lieb, ungemein lecker, viel Wein und man hat Elena vor der Bestellung eines Galette mit Guéméné bewahrt. Sucht gern danach, aber probiert es nicht unbedingt.

Picknick. Leckere Sachen dabei gehabt. Bißchen wuselig. Schön.

La Croix Blanche Loir-et-Cher. Fine dining, sehr lecker, bißchen unterwürzt.

La Madeleine de Proust. Nochmal Fine Dining, sogar noch finer als gestern. Besser gewürzt. Der Kellner war vielleicht nicht ganz freiwillig da, aber das lag eindeutig nicht an uns Ausländern, das war nämlich an jedem Tisch gleich.

Außerdem

Brötchen holen wie Franzosen. Badelatschen sind in der Sonne geschmolzen. Blois als Stadt lohnt sich nicht. Pool.